Morbus Scheuermann (Adoleszenzkyphose, juvenile Osteochondrose der Wirbelsäule) ist eine Erkrankung an der Wirbelsäule, die im Jugendalter auftritt und häufiger bei Jungen als bei Mädchen vorkommt. Morbus Scheuermann ist gekennzeichnet durch ein gestörtes Wachstum von Wirbelkörpern. Es kommt zur Bildung von keilförmigen Wirbeln, die zu einem so genannten Rundrücken mit vermehrter Krümmung in der Brustwirbelsäule führen. Manchmal ist auch die Lendenwirbelsäule betroffen. Bei starker Ausprägung des Morbus Scheuermann können Schmerzen entstehen, der Verlauf ist aber normalerweise günstig. Als Behandlung eignen sich Krankengymnastik und gegebenenfalls das Tragen eines Stützkorsetts, äußerst selten kann eine Operation angezeigt sein.
Eine genaue Ursache des Morbus Scheuermann konnte bisher noch nicht festgestellt werden. Die Krankheitsentstehung wird durch unterschiedliche Faktoren gefördert. Dazu gehören eine allgemeine Bindegewebsschwäche beziehungsweise Wirbelkörperschwächung sowie auch erbliche Einflüsse, da die Erkrankung in manchen Familien vermehrt auftritt. Hormonelle Veränderungen und Vitaminmangelzustände können den Morbus Scheuermann begünstigen.
Das Verhalten der betroffenen Jugendlichen spielt eine große Rolle. Bei häufigen Fehlhaltungen der Wirbelsäule, z. B. durch zu langes Sitzen am Schreibtisch, entsteht ein Druck auf den vorderen Anteil der Wirbelkörper. Eine zu geringe körperliche Betätigung fördert die Erkrankung zusätzlich. Andererseits kann aber auch zu stark leistungsorientierter Sport (ein charakteristisches Beispiel ist Turnen) zu Schäden im Sinne eines Morbus Scheuermann führen.
Solche Einflüsse führen beim Morbus Scheuermann zu einer Bildung von Keilwirbeln, bei denen die Vorderseite platter als die Hinterseite ist. In die instabilen Wirbel dringt über kleine Einstülpungen auch Bandscheibengewebe ein. Der Mediziner nennt die Vorwölbungen Schmorlsche Knötchen. Dies macht den Wirbel noch anfälliger für Formveränderungen. Normalerweise sind die Wirbelkörper stabil und annähernd würfelförmig. Die keilförmig veränderten Wirbel beim Morbus Scheuermann bewirken, dass ein Rundrücken auffällig wird.