Kreuzbandverletzungen machen sich durch folgende Beschwerden bemerkbar:
- Anfangs oft heftige Schmerzen, die anschließend rasch wieder nachlassen und bei erneuter Belastung wiederkehren.
- Schwellung des Knies (akut und auch eventuell später nach Belastungen).
- Chronische Instabilität des Kniegelenks, da sich die fehlende Funktion des verletzten Kreuzbands nicht vollständig kompensieren lässt.
- Gefühl der Instabilität, vor allem beim Gehen auf unebenem Gelände oder Treppenabsteigen. Der Betroffene empfindet ein unangenehmes „Nachgeben" (giving way) des geschädigten Kniegelenks.
- Evtl. Blutung des Kniegelenks (Hämarthros), durch gleichzeitige Ruptur von Gefäßen.
Unter Umständen können die Beschwerden so geringfügig sein, so dass eine Kreuzbandverletzung über viele Jahre nicht erkannt wird. Durch die ungleichmäßige Belastung der Gelenkflächen kommt es langfristig jedoch oft zu einer frühzeitigen Kniegelenksarthrose oder verschleißbedingten Meniskusverletzung (vor allem bei sportlich aktiven Menschen).
Diagnose
Die Diagnose einer Kreuzbandverletzung kann weder durch die Unfallsituation noch die akuten Symptome gestellt werden, da unter gleichen Bedingungen auch andere Knieverletzungen wie eine Verstauchung oder Meniskusverletzung auftreten können.
Zunächst erfolgt eine körperliche Untersuchung des Patienten, bei der der Grad der möglichen Beweglichkeit und die Meniskuszeichen abgeklärt werden müssen. Dies erfolgt in der Regel mit den so genannten Stabilitätstests.
Mit dem so genannten Lachmann Test kann die mediale und laterale Bandstabilität überprüft werden. Zudem gibt es noch den Schubladentest. Dieser kann jedoch bei einer akuten Verletzung aufgrund der muskulären Gegenspannung im Akutfall nicht ausgelöst werden. Kreuzbandverletzungen treten oft in Verbindung mit Meniskusverletzungen auf, so dass im Anschluss die Suche nach Meniskuszeichen erfolgen sollte.
Vorderer Kreuzbandriss
Um das Ausmaß einer vorderen Kreuzbandverletzung zu dokumentieren wird häufig der vordere Schubladentest durchgeführt. Bei der Untersuchung wird das Kniegelenk 90° gewinkelt und der Fuß auf der Grundlage fixiert. Der Untersucher zieht nun kniegelenksnah am Unterschenkel und guckt, ob sich der Unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel hervorziehen lässt. Bei einem vollständigen Riss des Vorderbands lässt sich der gebeugte Unterschenkel wie eine Schublade gegenüber dem Oberschenkel von hinten nach vorne verschieben.
Hinterer Kreuzbandriss
Das hintere Kreuzband verhindert normalerweise die so genannte hintere Schublade. Besteht jedoch ein Riss des Hinterbands, so lässt sich der gebeugte Unterschenkel von vorne nach hinten verschieben.
Klassifikation des vorderen bzw. hinteren Schubladenzeichens (nach Debrum):
- Grad I (+) : leichte Verschiebung 3-5 mm
- Grad II (++) : mittlere Verschiebung 5-10 mm
- Grad III (+++) : ausgeprägte Verschiebung > 10 mm
Untersuchungsmethoden zur Diagnostik einer Kreuzbandverletzung
1. Klinische Diagnostik:
- Beurteilung von Schwellung, Gelenkerguß, Bewegungsumfang und Bewegungsschmerz
- Beurteilung des Gangbildes und der Beinachsen
- Beurteilung der Stabilität und Meniskus
- Beurteilung des Femoropatellargelenkes (Gleitlager der Kniescheibe)
- Beurteilung benachbarter Gelenke
- Verschmächtigung des Muskelreliefs (Muskelatrophie)
- Beurteilung von Motorik, Durchblutung und Sensibilität
2. Apparative Diagnostik:
- Röntgenuntersuchung Kniegelenk in 2 Ebenen
- Röntgen Kniegelenk p.a. Im Stehen in 45 Grad Beugung
- Tunnelaufnahme (Friksche Aufnahme)
- Gehaltene Aufnahmen
- Ganzbeinaufnahme unter Belastung
- Funktionsaufnahmen
- Ultraschalluntersuchung (Meniskus, Bakerzyste)
- Computeromographie (CT)
- Magnetresonanztomographie (MRT): Kreuzbänder, Menisken, Kreuzbandverletzung
- Gelenkspiegelung
- Ergußpunktion
- Maschinelle Schubladenprüfung
Im Folgenden werden die wichtigsten und gängigsten Verfahren noch einmal kurz erläutert:
Röntgenuntersuchung
Auf dem Röntgenbild kann man eventuell gleichzeitig vorliegende knöcherne Verletzungen erkennen. Beim isolierten Kreuzbandriss ist das Röntgenbild normalerweise unauffällig. Daher ist die Diagnosestellung für den Laien hier besonders schwierig.
Die Kreuzbandverletzung selbst ist am besten im Kernspin nachweisbar.
Punktion
Besteht ein größerer Gelenkerguss, so sollte dieser unbedingt punktiert werden, um den Knorpel und die restlichen Weichteile zu entlasten. Ist der Erguss blutig, so liegt der Verdacht auf eine Kreuzbandverletzung nahe, beweist ihn aber nicht.
Kernspintomographie /Magnetresonanztomographie (MRT)
Mit der Kernspintomographie lässt sich die Diagnose relativ sicher stellen. Durch die Schichtaufnahmen wird der Verlauf der Kreuzbänder und deren Ansätze am Ober- und Unterschenkelknochen sichtbar. Besteht eine Ruptur, so sind die Faserverläufe nicht durchgängig. Das verletzte Bandgewebe zeigt sich als inhomogene, aufgefaserte Struktur. Zudem ist auch die Lokalisation des Ausrisses möglich. Mithilfe der Kernspintomographie lässt sich der eingetretene Schaden sehr genau abschätzen. Dadurch können vor allem unnötige Operationen vermieden werden.
Differentialdiagnose
Da Kreuzbandverletzungen oft in Verbindung mit anderen Verletzungen auftreten, sollte man diese bedenken und ggf. ausschließen. Dabei handelt es sich meistens um Meniskusverletzungen und Bänderrisse.
Letzte Aktualisierung am 12.10.2009.