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Kreuzbandverletzung - Therapie



Welche Therapie Möglichkeiten gibt es?

Wie fast immer gibt es auch hier 2 Therapiemöglichkeiten: die konservative oder operative Therapie. Die Behandlung richtet sich in der Regel nach den individuellen Gegebenheiten und Ansprüchen des Patienten. Einige Mediziner sind der Meinung, dass nach einer Kreuzbandverletzung ohne Operation immer eine Arthrose eintritt, dies ist nur eine Frage der Zeit.


Konservative Therapie

Wichtige Indikationen zur Entscheidung für die konservative Therapieform stellen Dehnungen und Teilrisse der Kreuzbänder dar. Ist ein Patient auch bei einem totalen Kreuzbandriss in der Lage seine Instabilität mittels seiner Muskulatur zu kompensieren, so sollte man auch hier eher auf die konservative Therapieform greifen. In der Regel bevorzugt man auch eine konservative Therapie bei Patienten, die nicht leistungssportlich aktiv sind und älter als 50 Jahre sind. Dabei ist es völlig egal, ob die Bandverletzungen schon älter als 14 Tage sind oder nicht.

Nach Abklingen der akuten Beschwerden erhalten die Patienten meist eine Kunststoffschiene und eine regelmäßige Krankengymnastik verordnet. Durch Muskelkräftigung und Koordinationsübungen wird die Stabilität des betroffenen Kniegelenks verbessert. Wichtig ist hierbei, dass der Patient das notwendige Training selbstständig täglich durchführt.


Zusätzlich kann die Therapie noch mit physikalischen Maßnahmen wie:

  • Reizstrom
  • Ultraschall und
  • Kälteanwendungen (Eisbehandlung)

unterstützt werden. Diese können einzeln oder in Kombination angewandt werden. Sie zielen darauf ab, die Durchblutung zu verbessern und letztendlich auch die Schmerzen zu lindern.
Wichtig ist vor allem ein lebenslanges, konsequentes, selbständig durchgeführtes Muskeltraining, damit die Muskeln die Aufgabe des gerissenen Kreuzbandes übernehmen können.

Operative Therapie

Eine OP-Indikation hängt von vielen Faktoren ab:

  • Alter
  • Aktivität (vor allem sportliche Aktivität)
  • Beruf
  • Begleitverletzungen (z.B. Meniskusriss)
Der optimale Zeitpunkt für einen operativen Eingriff liegt 6-12 Wochen nach der Verletzung, nachdem die akuten Symptome abgeklungen sind. Bei Jugendlichen sollte man erst abwarten, bis das Wachstum abgeschlossen ist.

Die am häufigsten durchgeführte Operationsmethode ist die so genannte Kreuzbandplastik. Bei dem Eingriff wird ein Stück körpereigene Sehne als Ersatz in das Knie eingepflanzt. Ein solcher Eingriff sollte jedoch nicht sofort durchgeführt werden, da das Risiko einer Gelenkvernarbung mit Bewegungseinschränkung in den ersten Tagen nach dem Unfall am größten ist. Vorteil dieser Methode ist, dass durch die körpereigene Sehne, der verloren gegangene Halt des Gelenkes nahezu wieder hergestellt werden kann.


Nicht jede körpereigene Sehne kann den verlorengegangenen inneren Halt des Gelenkes wieder herstellen. Wichtig ist, dass das neue Kreuzband die Eigenschaften und die Funktion des natürlichen Kreuzbandes so weit wie möglich nachahmen sollte. Daher haben sich im Rahmen der Kreuzbandplastiken die Patellarsehne (Kniescheibensehne), sowie die Sehnen des Musculus semitendinosus und Musculus gracilis (=Hamstring) bewährt.

Im folgenden sollten die verschiedenen Verfahren näher erläutert werden:

Patellarsehne
Bei dem Eingriff wird zunächst aus dem mittleren Drittel der Kniescheibensehne ein etwa 1 cm breites Stück Sehne entnommen. Dabei sollte an beiden Enden ein 2 x 1 cm breiter Knochenblock anheften. Die anhängenden Knochenblöcke werden mittels so genannter Interferenzschrauben, die entweder aus Titan oder Zucker (=Kohlenstoffverbindungen) bestehen, in den Bohrkanälen fixiert. In der Regel wachsen die Knochenblöcke der Patellarsehne innerhalb von 4-6 Wochen.
Heute erfolgt der Einbau und die Fixation des Transplantates rein arthroskopisch, also durch eine Kniegelenksspiegelung.

Semitendinosus-Sehne oder Gracilis-Sehne
Hierbei handelt es sich um eine Sehne des Oberschenkels. Über einen kleinen Hautschnitt werden die Sehnen (entweder Semitendinosus-Sehne, Gracilis-Sehne oder eine Kombination aus beiden) am innenseitigen Schienbeinkopf entnommen und jeweils gedoppelt. Die Sehne wird vom Knochen abgetrennt und dann mit dem Stripper von seinem Muskelbauch abgelöst. In der Regel vernarbt die Restsehne ohne wesentlichen nachweisbaren Funktionsverlust mit der Umgebung.

Durch die Doppeltlegung der Sehne wird ein Vierfach-Transplantat hergestellt, auch Quadruple-Hamstring-Transplantat genannt. Durch die Dopplung wird eine entsprechende Reißfestigkeit hergestellt, dadurch ist die Reißkraft doppelt so hoch wie die des normalen Kreuzbandes. Wesentliche Vorteile der Semitendinosus- und Gracilis-Transplatate sind die geringe Komplikationsrate, die geringeren Schmerzen nach der Entnahme der Sehnen und eine kleine, kosmetisch günstige Hautnarbe. Jedoch weisen sie im Gegensatz zur Patellarsehne, ein eher langsameres Einheilverhalten in die Knochenkanäle. Sie wachsen erst nach 10-12 Wochen ein.

Die Auswahl der zur Verfügung stehenden Techniken hängt von vielen Faktoren ab. Hierzu gehören beispielsweise Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, Sporttätigkeit und Gewebestruktur. In der Regel sind die Erfolgsquoten nach derartigen Eingriffen relativ gut, vor allem dann, wenn keine wesentlichen Zusatzverletzungen vorliegen.

Eine weitere Möglichkeit ist die so genannte innere Verstärkungsoperation. Liegt der Unfall noch nicht allzu lange zurück (also in akuten und subakuten Fällen), so kann das „alte" Kreuzband innerlich mit einer neuen Struktur verstärkt werden. Dadurch werden Verhältnisse hergestellt, die den Originalverhältnissen äußerst nahe kommen. Leider wird diese Technik kaum angeboten, bietet aber viele Vorteile. Ein wichtiger Vorteil ist, dass das eigene Kreuzband mit seinen so genannten Propriozeptoren (Nerbenrezeptoren), die für die Feinabstimmung der Bewegung und des Muskeleinsatzes erforderlich sind, weitgehend erhalten werden können. Dies ist natürlich bei einer Kreuzbanoperation mit der so genannten Patellarsehne nicht möglich. Diese spezielle Technik ist leider für chronische Instabilitäten nicht geeignet, da in diesen Fällen meist das alte Kreuzband nicht mehr vorhanden ist. Leider liegen hier keine Langzeitergebnisse vor, so dass man zu diesem Zeitpunkt nicht vorbehaltlos zu dieser OP-Technik raten kann.

 


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Letzte Aktualisierung am 12.10.2009.

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Orthopäde
Portrait Dr. med. Hein Kleihues, OZS - Orthopädisches Zentrum Spreebogen, westklinik Dahlem, Berlin, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. med. H. Kleihues
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
in 10559 Berlin
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