In der Regel werden Schenkelhalsfrakturen als „Notfall mit aufgeschobener Dringlichkeit" operativ versorgt. Zunächst erfolgt eine internistische Basisdiagnostik, welches von einer entsprechenden Akuttherapie gefolgt wird. Meist erfolgt dann die operative Therapie 48-72 Stunden nach Einlieferung. In den allermeisten Fällen wird eine Schenkelhalsfraktur operativ versorgt.
Selten ist der Bruch derart stabil eingestaucht, so dass eine konservative Behandlung in Frage kommt. Zudem führt die konservative Behandlung, vor allem bei älteren Patienten, zu einer Immobilisation. Daher bleibt die konservative Behandlung in der Regel den seltenen jungen Patienten vorbehalten, die auch unter völliger Entlastung eines Beines mobilisiert werden können. Ziel jeder Therapieform ist die frühestmögliche Mobilisation des Patienten. Die Ruhigstellung der Patienten sollte so kurz wie möglich und so lang wie nötig gehalten werden.
Operative Therapie
Mediale SchenkelhalsfrakturDie mediale Schenkelhalsfraktur wird beim alten Menschen häufig durch Implantation einer Hüfttotalendoprothese oder Hemiprothese (Duokopfprothese) versorgt. Diese Verfahren werden vor allem deswegen bevorzugt, um dem älteren Patienten nach Möglichkeit eine zweite Operation zu ersparen und das Risiko einer späteren Hüftkopfnekrose zu minimieren. Zudem dürfen die Patienten nach einer Totalendoprothese oder Duokopfprothese viel schneller die betroffene Seite belasten. Dies senkt wiederum auch das Risiko eine drohenden Immobilität.
Dagegen rät man jüngeren Patienten eher zu hüftkopferhaltenden Verfahren, weil bei ausbleibender Hüftkopfnekrose der Erhalt des eigenen natürlichen Gelenkes eine erhebliche Steigerung der Lebensqualität bedeutet. Zudem ist dem jüngeren Patienten im Falle einer Hüftkopfnekrose eine Zweitoperation eher zumutbar.
Häufig werden unverschobene (nicht dislozierte) bzw. eingestauchte mediale Schenkelhalsfrakturen mit flachem Frakturneigungswinkel mittels so genannter Zugschrauben behandelt. Dabei handelt es sich um hohle Schrauben, die über zuvor eingebrachte Führungsdrähte geschraubt werden (Lochschrauben).
Laterale SchenkelhalsfrakturLaterale Schenkelhalsfrakturen werden in Abhängigkeit vom Dislokationsgrad, oft gelenkerhaltend, mit einer Osteosynthese versorgt. Generell unterscheidet man zwischen den hüftkopferhaltenden oder hüftkopfersetzenden Operationsverfahren. Hüftkopferhaltende Operationen sollten so schnell wie möglich erfolgen, das bedeutet innerhalb von 6 Stunden nach dem Unfallereignis, um der Gefahr einer Hüftkopfnekrose (Hüftkofsterben) vorzubeugen. Grundsätzlich wird die hüftkopferhaltende Operation eher bei jüngeren und aktiven Patienten angewendet, da sich eine Hüftprothese mit zunehmender Aktivität und Belastung schneller lockert.
Stabile Schenkelhalsfrakturen, diese sind hüftkopfnahe, nicht verschobene, eingekeilte Brüche, müssen nicht unbedingt operiert werden. In diesem Fall wird das verletzte Bein geschient und die Patienten erhalten zur Thromboseprophylaxe Spritzen ins Unterhautfettgewebe. Des Weiteren werden Schmerzmittel verschrieben und krankengymnastische Übungen durchgeführt. Trotz allem ist auch in solchen Fällen die operative, hüftkopferhaltende Therapie, Mittel der ersten Wahl.
Zu den hüftkopferhaltenden Therapieoptionen gehören:
Verschraubung
Durch den Schenkelhals des Oberschenkels werden drei Schrauben in den Hüftkopf eingeführt. Dabei wird die knorpelige Hüftkopfoberfläche nicht durchbrochen. Wichtig ist, dass die Schrauben möglichst parallel zueinander liegen und das Schraubengewinde nicht die Bruchlinie durchkreuzen, damit sich der Bruch unter Belastung einstauchen kann. Es handelt sich um einen schnellen Eingriff mit wenig Weichteilverletzung. Des Weiteren bleiben Hüftkopf und damit das natürliche Hüftgelenk erhalten. Nachteil dieser Methode ist, dass es bei schlechter Knochensubstanz (Osteoporose) zu einem Abrutschen der Fraktur oder einer Falschgelenkbildung (Pseudoarthrose) kommen kann. Zudem ist hier eine sofortige Vollbelastung nicht möglich.
Dynamische Hüftschraube (DHS)
Hier wird am Oberschenkel eine Metallplatte-Schrauben-Konstruktion befestigt. Die Schraube verläuft durch den Schenkelhals in den Hüftkopf. Es hat die Fähigkeit wie ein Teleskop zu gleiten und kann dadurch einen Stauchungseffekt im Bruchbereich hervorrufen. Es handelt sich um ein schnelles Operationsverfahren, bei dem das natürliche Hüftgelenk erhalten bleibt. Nachteil dieser Methode ist jedoch, dass es zu einem Abrutschen der Fraktur kommen kann und auch leider häufiger Hüftkopfnekrosen entstehen können. Zudem ist auch hier keine sofortige Vollbelastung möglich.
Hüftkopfersetzende Verfahren:
Künstliches Hüftgelenk
Ein künstliches Hüftgelenk ist vor allem bei geriatrischen Patienten mit schlechter Knochensubstanz, vorbestehender Hüftgelenksarthrose und absehbaren Schwierigkeiten bei der Mobilisation sinnvoll. Nach dem Eingriff ist eine sofortige schmerzadaptierte Vollbelastung möglich. Zudem besteht eine leichtere Frühmobilisation und die Gefahr einer Hüftkopfnekrose wird aufgehoben. Es handelt sich jedoch um einer größere Operation, bei der eine größere Weichteiltraumatisierung besteht. Zudem ist bei einer Prothesenlockerung eine Wechseloperation erforderlich.
In Deutschland gehört der Ersatz des Hüftgelenkes durch eine totale Endoprothese (TEP) oder eine Hüftkopfprothese zu den häufigsten Eingriffen überhaupt. Es ist das Therapieverfahren der Wahl bei älteren Menschen (> 65 Jahre).
Letzte Aktualisierung am 12.10.2009.