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Oberschenkelhalsbruch



Was ist ein Oberschenkelhalsbruch?

Bei einem Oberschenkelhalsbruch bzw. einer Schenkelhalsfraktur kommt es zu einem Bruch im Bereich des oberen Endes des Oberschenkelknochens (Femur), knapp unterhalb des Oberschenkelkopfes (Hüftkopf). Hierbei handelt es sich um häufige und typische Verletzungen bei älteren Menschen, welches meist aufgrund eines Sturzes auf die seitliche Hüfte auftritt.

Ab dem 60. Lebensjahr nimmt die Häufigkeit eines Schenkelhalsbruches zu, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. In Deutschland erleiden jährlich mehr als 100.000 Menschen einen Oberschenkelhalsbruch. Bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bis zum 60. Lebensjahr kommt es sehr selten zu Oberschenkelhalsbrüchen. Eine Verletzung kann hier praktisch nur durch starke Gewalteinwirkung hervorgerufen werden.

Eine Einteilung der Schenkelhalsfrakturen erfolgt entweder nach ihrer Lokalisation oder der Dislokationsrichtung:

1. Inteilung nach Frakturlokalisation

  • Mediale Schenkelhalsfraktur
    Die am häufigsten auftretende Fraktur des Oberschenkelknochens ist die mediale Schenkelhalsfraktur. Dabei handelt es sich um einen Bruch des Schenkelhalses nahe oder direkt am Hüftkopf. Die Fraktur ist, im Gegensatz zur lateralen Schenkelhalsfraktur, innerhalb der Gelenkkapsel, also intrakapsulär, lokalisiert.

  • Laterale Schenkelhalsfraktur
    Die laterale Schenkelhalsfraktur kommt relativ selten vor (nur in 5 Prozent der Fälle). Betroffen sind hier meist junge Menschen nach Hochrasanztraumen. Meist entsteht die Fraktur als Adduktionsfraktur. Direkt am Trochanter major liegt die Frakturlinie, weshalb sie oft auch als posttrochantäre Fraktur bezeichnet wird. Hierbei handelt es sich um eine außerhalb der Gelenkkapsel gelegene (extrakapsuläre) Fraktur mit höherem Blutverlust.

2. Einteilung nach Dislokationsrichtung

In der Regel unterscheidet man zwischen:

Abduktionsfrakturen
Diese Form der Frakturen kommen eher selten vor und entstehen bei Sturz auf das abgespreizte (abduzierte) Bein. Die Fraktur weist eine Valgusfehlstellung auf, ist meist eingestaucht und dadurch noch belastungsfähig.

Adduktionsfrakturen
Adduktionsfrakturen kommen relativ häufig vor und entstehen durch Sturz auf die Seite. Daraus resultiert eine Varusfehlstellung des Schenkelhalses mit Dislokation des Oberschenkelknochens nach oben, welches wiederum zu einer Beinverkürzung führt. Bei der Frakturdislokation wandert der abgerutschte Hüftkopf oft nach hinten (Retrotorsionsfraktur) und führt zusätzlich zu einem dorsalen Knochendefekt. Bei dieser Frakturform ist das Risiko einer Hüftkopfnekrose sehr hoch, da hier eine erhöhte Gefahr der Verletzung der Gefäße des Hüftkopfes besteht.

Abscherfrakturen
Abscherfrakturen kommen selten vor und treten eher bei jüngeren Patienten auf. Diese Frakturen werden durch tangentiale Gewalteinwirkung, beispielsweise bei Autounfällen (dashboard injury) oder Stürzen aus großer Höhe, hervorgerufen. Durch die meist starke Dislokation und Instabilität ist die Prognose hier meist sehr ungünstig.

Geläufige Einteilungen der unterschiedlichen Frakturtypen sind die nach Pauwels und Garden. Sie dienen vor allem der Verständigung von Fachleuten untereinander und erlauben eine Ableitung ärztlicher Therapiemaßnahmen.

1. Pauwels-Klassifikation (orientiert sich an der Neigung der Bruchfläche)

  • Pauwels I: Bruchfläche < 30° zur Horizontalenebe
  • Pauwels II: Bruchfläche 30 - 70° zur Horizontalenebe
  • Pauwels III: Bruchfläche > 70° zur Horizontalenebe

Je kleiner der Bruchflächenwinkel ist, desto stabiler ist der Bruch. Die Gefahr eine Falschgelenkbildung steigt mit zunehmendem Bruchflächenwinkel.

2. Garden Klassifikation (orientiert sich an der Stellung des Hüftkopfes)

  • Garden I: Valgisch (stabil) eingestauchter Bruch
  • Garden II: Nicht verschobener Bruch
  • Garden III: Varisch (instabil) eingestauchter Bruch
  • Garden IV: Starke Bruchverschiebung

Mit zunehmender Garden-Zahl steigt die Gefahr einer Hüftkopfnekrose (Hüftkopfabsterben).

Ursachen

Häufig sind ältere Patienten (geriatrische Patienten) von dieser Verletzungsform betroffen. Hauptursache des Knochenbruchs ist die Osteoporose. Durch einen Verlust der Knochenmasse (Osteoporose) und Gangunsicherheiten können bereits banale Stürze zu einem Oberschenkelhalsbruch führen. Bei extremen Knochenschwund reicht bereits das Aufstehen von einem Stuhl aus, um einen Bruch des Schenkelhalses auszulösen. Dies wird in der Medizin auch als pathologische Spontanfraktur bezeichnet. In 70 Prozent der Fälle handelt es sich um häusliche Unfälle, z.B. durch Stolpern über einen Teppich.

Ein großer Teil der Stürze wird zudem durch Schwindelanfälle verursacht oder durch eine kurze Bewusstlosigkeit, welches aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Nervenerkrankungen auftreten kann. Auch Sehstörungen, Alkohol oder Medikamente können eine Unfallursache sein.

Bei jüngeren Patienten hingegen ist eine erhebliche Krafteinwirkung erforderlich, bis eine Schenkelhalsfraktur auftritt. Man sieht diese Bruchform gelegentlich nach Autounfällen oder Absturzverletzungen. In sehr seltenen Fällen können auch bestehende Tumorerkrankungen mit Tochtergeschwülsten im Knochen zu Knochenbrüchen führen.

Oberschenkelhalsbruch - Symptome und Diagnose »

Letzte Aktualisierung am 12.10.2009.

Verletzungen Oberschenkel

Verletzungen am Oberschenkel

Orthopäde
Portrait Dr. med. Hein Kleihues, OZS - Orthopädisches Zentrum Spreebogen, westklinik Dahlem, Berlin, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie Dr. med. H. Kleihues
Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
in 10559 Berlin
Alle anzeigen Zufall
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