Hallux Valgus oder Ballenzeh – wie behandeln?

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Operieren des Hallux Valgus ist oft schon im Anfangsstadium angeraten

Beinahe 25 Prozent aller Deutschen sind im Laufe ihres Lebens davon betroffen: Hallux Valgus macht jeden Schritt zur Qual. Frauen trifft es öfter als Männer, unpassendes Schuhwerk kommt als Auslöser ebenso in Frage wie die Erbanlagen. Die Wahrscheinlichkeit für eine Vorderfuß-Verformung nimmt mit dem Lebensalter signifikant zu.

Hallux Valgus oder Ballenzeh – wie behandeln?
Hallux Valgus oder Ballenzeh – wie behandeln?

Wer seine Fußmuskeln beweglich hält, viel barfuß geht und auf beengende, insbesondere vorn spitze und sehr hochhackige Schuhmode verzichtet, senkt sein Hallux Valgus-Risiko oder schafft es sogar, dass sich Ansätze zurückbilden. Wer der Bequemlichkeit Vorrang vor der Eleganz einräumt, wird seltener von deformierten Füßen geplagt.

Denn nicht nur das unterste Gelenk des großen Zehs im Mittelfußbereich ist betroffen. Auch Schleimbeutelentzündungen drohen, die kleinen Zehen beginnen sich abzuspreizen (Krallenzehen) und die Fussballen verändern sich. Dadurch entstehen weitere Reibe- und Druck-Probleme beim Tragen von Schuhen. Hühneraugenbildung oder Überbeine sind oft Begleiterscheinungen der dem Hallux Valgus geschuldeten Veränderungen im Mittelfußbereich. Hier helfen im Extremfall nur gezielte Knochendurchtrennungen (Osteotomie) und neue Ausrichtung.

Oft bringen im Anfangsstadium des Hallux Valgus spezielle Einlagen und Schienen gute Ergebnisse, wenn die große Zehe sich noch gut bewegen lässt, der Zehenballen noch nicht zu weit hervortritt und die Betroffenen noch schmerzfrei gehen und Sport treiben können. Doch raten Fachärzte heute oft zu einer frühen Operation, bevor sich der Hallux Valgus voll ausbildet und weitere Deformierungen im Fuß-Skelett eintreten.


Das Problem bei einem länger bestehenden Hallux Valgus ist eine durch den hohen Abweichungswinkel der Zehe und entsprechende Fehlbelastung entstehende Arthrose samt schmerzhaften Exostosen (umgangssprachlich: Überbein).

Dazu verliert die große Zehe oft an Beweglichkeit, der Mittelfuß verbreitert sich auffällig und das TMT-1-Gelenk (Tarso-Metatarsal-Gelenk oder das unterste Gelenk des großen Zehs zwischen Fußwurzel und Mittelfuß) wird in sich instabil. Darauf sollten Patienten besser nicht warten.

Liegt noch keine Arthrose vor und beträgt die Abnormität des Knochenwinkels weniger als 15 Grad, kann eine Knochendurchtrennung kleinerer Gelenkknochen im Mittelfußbereich eine unkomplizierte Geraderichtung des Mittelfußes ermöglichen.

Sehr schwere Fälle mit bereits begonnener Arthrose werden behandelt, indem der Chirurg die Knorpel an den Gegenstücken (Gelenkpartnern) des erwähnten, deformierten TMT-1-Gelenkes entfernt und die Knochen und Gelenke neu ausrichtet. Das Ergebnis wird mit Zugschraube und einer plantaren, speziellen Platte fixiert, die so konstruiert ist, dass sie einer baldigen Belastung problemlos standhält.

Um das Tragen eines Therapieschuhes für etwa zwei Monate kommen am Mittelfuß Operierte kaum herum. Sicherheitshalber sollten in der ersten Heilphase zur Entlastung Krücken benutzt werden. Für etwa sechs Wochen sind Verbände zu tragen.
Thrombose-Vorbeugung per Injektion oder Tabletten ist nach der – üblicherweise unkomplizierten – Operation meist ebenfalls notwendig.

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