Die Therapie einer Hüftdysplasie und Hüftgelenksluxation ist abhängig von der Symptomatik und dem Alter des Kindes zum Zeitpunkt der Diagnosestellung. Je älter das Kind ist, desto aufwendiger und schwieriger ist die Therapie. Bleibt eine Hüftgelenksluxation im Säuglingsalter über die zweite bis vierte Lebenswoche hinaus bestehen, so kann sie mit einer so genannten Spreizhose behandelt werden.
Können die Beine nicht mehr abgespreitzt werden und ist die Muskulatur verkürzt, so können muskelentspannende Maßnahmen (Krankengymnastik) durchgeführt werden. Im Anschluss wird der Hüftkopf wieder in die Pfanne zurückverlagert. Dies kann entweder manuell oder mithilfe von Bandagen oder Apparaturen erfolgen. Des Weiteren wird dafür gesorgt, dass der Hüftkopf nicht wieder aus der Pfanne springt. Dies erreicht man auch mithilfe von Bandagen oder mit Schienungen (Abspreizschienen, Laufschienen). Bei Instabilitäten muss man unter Umständen das Gelenk vorübergehend im Gipsverband ruhigstellen.
Konservative Therapie
Nicht-operative Behandlungsmaßnahmen führen meistens im ersten Lebensjahr zum Erfolg. Daher ist eine frühzeitige Therapie sinnvoll. Dadurch kann dass Pfannendach wieder nachreifen und somit eine Hüftarthrose im Erwachsenenalter verhindern. Liegt bereits bei der Geburt eine Hüftgelenksluxation vor, so ist hier zunächst eine Einrenkung des Gelenkes erforderlich, bevor die Abspreizbehandlung erfolgen kann. Dazu eignet sich am besten die so genannte Extensionsbehandlung. Dadurch erfolgt eine Einrenkung des Hüftkopfes in die Hüftpfanne. Mit dieser Methode kann man in der ersten beiden Lebensjahren fast immer eine Heilung erreichen.
Zu den konservativen Therapiemaßnahmen gehören:
Ausreifungsbehandlung
Durch eine gezielte Stellung des Hüftkopfes in der Hüftpfanne, versucht man das Wachstum des dysplastischen Pfannendaches günstig zu beeinflussen. Dies kann man mit verschiedenen Hilfsmitteln erreichen. Häufig angewendet wird die Spreizhose oder die Hüftbeugeschiene. Das Hüftgelenk wird durch diese Hilfsmittel abgespreizt und stark gebeugt, wodurch sich der Hüftkopf tief in die Hüftpfanne einstellt. Das Kind kann weiterhin relativ uneingeschränkt mit den Beinen strampeln. Diese Therapie ist jedoch nur innerhalb der ersten 12 Lebensmonate sinnvoll.
geschlossene Reposition (Wiedereinkugeln des Hüftgelenks)Bei einer höhergradigen Hüftdysplasie muss der Hüftkopf zunächst wieder in die Hüftpfanne eingesetzt werden (Reposition). Geeignet ist hierfür beispielsweise die Bandage nach Palvik, bei der eine sehr starke Beugung im Hüftgelenk erfolgt und dieser dann in dieser Position fixiert wird.
Durch die fixierte Position des Hüftkopfes besteht jedoch die Gefahr einer Durchblutungsstörung. Hierdurch können Teile des Hüftkopfes absterben und die Funktion des Hüftgelenkes dauerhaft beeinflussen. Die Bandagenbehandlung wird meist erst nach der 6. Lebenswoche bis zum 2. Lebensjahr angewandt. Auch hier können noch Strampelbewegungen durchgeführt werden.
FixierungKann das Repositionsergebnis nicht gehalten werden, so kommen Fixierungen durch Schienen und Gips in Frage. Meist wird der so genannte Fettweiß-Gips angewendet. Dabei wird das Hüftgelenk 100 - 110° gebeugt und etwa 45° abgespreizt. Dieser Gipstyp wird in der Regel von den Kindern gut toleriert.
Operative Therapie
Werden die Krankheitsbilder nicht oder zu spät erkannt, so kann es im weiteren Verlauf zu Veränderungen am Gelenk kommen. In solchen Fällen hilft häufig nur noch ein operativer Eingriff, um Bewegungseinschränkungen und Schmerzen zu beheben und weitere Gelenkzerstörungen zu verhindern.
In der Regel kommen operative Maßnahmen erst nach Versagen der konservativen Therapie zur Anwendung. Häufig werden Eingriffe im Bereich des Pfannendaches mit Stellungskorrekturen des Hüftkopfes am Schenkelhals gemeinsam durchgeführt.
Häufig angewendete Hüfkorrekturverfahren am Becken sind:
Salter-Osteotomie (meist bis zum 8. Lebensjahr)Die Beckenosteotomie nach Salter gilt als Standardverfahren in den ersten Lebensjahren. Bei diesem Verfahren wird zunächst der Knochen des Darmbeins durchtrennt. Über den so entstandenen Spalt wird die Hüftgelenkspfanne nach außen und vorne so weit verschoben, dass sie sich über den Hüftkopf stülpt. Diese Konstruktion wird dann anschließend mit einem Knochenkeil gehalten und durch spezielle halbstarre Metallstiffte fixiert.
PfannendachplastikBei dieser Technik wird lediglich ein Knochenkeil so in den Bereich des Pfannendaches eingestoßen, dass sich der Pfannendach nach außen und nach unten vergrößert. Bei diesem Verfahren wird kein Knochen durchtrennt.
Triple-Osteotomie (jenseits des 8. Lebensjahres)Diese Methode kommt bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zur Anwendung, da in diesem Alter die Beckenosteotomie nach Salter nicht mehr durchführbar ist. Bei der Triple-Osteotomie werden alle drei knöchernen Bereiche des Beckens, also das Sitzbein, das Darmbein und das Schambein durchtrennt und so verschoben, dass sich die Hüftgelenkspfanne über den Hüftkopf stülpt.
Ziel aller operativen Verfahren ist das bessere Überdachen des Hüftkopfes, damit sich die Last über einen größeren Anteil des Hüftkopfes verteilen kann. Zudem soll eine dauerhafte, stabile Festigung des Gelenkes und die Wiederherstellung einer möglichst natürlichen Anatomie erreicht werden, um spätere Gelenkschäden in Grenzen zu halten.
Physiotherapie
In fast allen Phasen der Behandlung sollte eine begleitende Physiotherapie oder Krankengymnastik erfolgen. Hierbei sollten vor allem diejenigen Muskeln trainiert werden, die das Hüftgelenk stabilisieren können.
Nach der Bandagenbehandlung oder einer Operation ist meistens eine Ruhigstellung des operierten Gelenkes erforderlich. Dies ist notwendig, damit das Gelenk schneller und besser heilt. Leider verkürzen sich durch die Ruhigstellung auch die umgebenden Muskeln und Bänder. Aufgrund dessen ist das ausgeheilte Gelenk oft nicht mehr so gut beweglich. Auch hier ist die Physiotherapie mit ihren gezielten Übungen sehr wichtig, um die Beweglichkeit so früh wie möglich wiederherzustellen. Sie sollte daher frühzeitig beginnen und konsequent durchgeführt werden.
Letzte Aktualisierung am 12.10.2009.