Hüftprothetik

Lesezeit: 3 Min.

Was ist die Hüftprothetik?

Bestimmte Erkrankungen können dazu führen, dass ein künstliches Hüftgelenk eingesetzt werden muss. Häufigste Ursache ist die Arthrose (Abnutzungserkrankung) und zahlreiche angeborene und erworbene Erkrankungen sowie Verletzungsfolgen.

Bei einem gesunden Hüftgelenk ist die Knorpelschicht eine glatte Fläche. Im Falle eines krankhaften Verschleißes bilden sich dort regelrechte Abstufungen, die einen gleichmäßigen Gelenkkontakt verhindern. Dadurch kommt es zu Formveränderungen am Hüftkopf und an der Hüftpfanne, wodurch ein Knorpelabrieb begünstigt wird. Es kommt zu Schmerzen bei Belastung, welche sich schon bei kurzen Gehstrecken und später sogar auch im Ruhezustand bemerkbar machen. Führen sämtliche nichtoperative Heilungsmethoden nicht mehr zu einer Schmerzfreiheit und Wiederherstellung der Beweglichkeit, dann hilft in den meisten Fällen nur noch ein künstlicher Hüftgelenkersatz zur Verbesserung der Lebensqualität.

Weltweit werden jährlich circa 1,2 Millionen und in Deutschland jährlich circa 180.000 künstliche Hüftgelenke implantiert (eingesetzt). Heute gehört die Implantation eines künstlichen Hüftgelenks zu den häufigsten Operationen in der Bundesrepublik Deutschland und gilt daher mittlerweile als Routine-Operation. Das künstliche Hüftgelenk kann man in Teil- oder Totalendoprothesen unterscheiden. Es besteht aus der Gelenkpfanne und dem Gelenkkopf, welches auf dem Gelenkschaft sitzt.

Die Teilprothesen stellen einen Sonderfall dar, hier wird lediglich der Gelenkkopf ersetzt. Die Hüftpfanne bleibt erhalten. Dagegen werden bei der Totalprothese sowohl der Oberschenkelhals, der Hüftkopf als auch die Hüftpfanne durch eine Totalprothese ersetzt.
Zudem können weitere Unterteilungen aufgrund der Verankerung bzw. Befestigung vorgenommen werden. Je nach Art und Weise der Prothese werden drei Prothesentypen unterschieden. Diese sind:

  • Die zementfreie Prothese: Hier werden die künstliche Hüftpfanne und der Prothesenschaft mit dem Knochen verschraubt oder im Knochen verklemmt. Der Knochen wächst an der Prothesenoberfläche an, womit eine dauerhafte Fixierung erreicht wird.

  • Die zementierte Prothese: Bei dieser Prothesenform wird ein spezieller, besonders schnell aushärtender Zement verwendet. Hier werden sowohl die Gelenkpfanne als auch der Schaft einzementiert.

  • Die Hybridprothese: Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus zementfreier und zementierter Prothese. In der Regel wird hier die Gelenkpfanne zementfrei verankert und der Schaft mit dem Knochenzement befestigt oder umgekehrt.

Es gibt eine Vielzahl verschiedener Modelle, die individuell ausgewählt werden. Die richtige Prothesenauswahl ist abhängig von der Größe des Betroffenen, seinem Gewicht und der körperlichen Aktivität. Eine wichtige Rolle spielt auch die Form der Knochen. Mit Hilfe einer Röntgenaufnahme von der zu operierenden Hüfte. wird vom Operateur zunächst eine Zeichnung angefertigt und anschließend das passende Modell und die Größe der Prothese ausgewählt.

Indikationen

Ein künstliches Hüftgelenk ist immer dann indiziert, wenn die Funktion des eigenen Hüftgelenks dauerhaft gestört ist oder der Betroffene durch zunehmende Schmerzen in seiner Beweglichkeit eingeschränkt ist. Dieser Zustand kann durch verschiedene Ursachen wie Arthrose, Entzündungen, Fehlbildungen oder Deformierungen, Verletzungen und Überlastungen hervorgerufen werden.

Operationstechnik

Meist geht das Einsetzen eines künstlichen Hüftgelenks mit einem hohem Blutverlust einher und erfordert daher eine Bluttransfusion während der Operation. Die Hüftgelenkersatz-Operation kann in Teilnarkose (Rückenmarksbetäubung) oder in Vollnarkose durchgeführt werden. Je nach Fall dauert die Operation zwischen 45 und 120 Minuten.

Bei dem Eingriff wird die Muskulatur nach dem Hautschnitt zur Seite geschoben und das Hüftgelenk freigelegt. Zunächst wird der Oberschenkelhals durchtrennt und der erkrankte zerstörte Hüftkopf entfernt. Für den Einsatz des künstlichen Hüftgelenks wird die kranke Hüftpfanne ausgefräst und dann die künstliche Hüftpfanne verankert. Der Markraum des Oberschenkelknochens wird so präpariert, dass der Schaft exakt mit oder ohne Zement sitzt. Im Anschluss wird der Prothesenkopf auf den Prothesenschaft aufgesetzt, so dass die beiden Teile zu einem Gelenk zusammengefügt werden. Dass heißt also, dass der Schaft mit dem Kopf in die Pfanne eingepasst wird. Zum Schluss werden die Muskeln vernäht und die Wunde wieder verschlossen.

Zudem werden in das Gelenk Schläuche eingelegt, welche den Bluterguss an der Hüfte abfließen lassen. Etwa 2 Tage nach der Operation werden die Schläuche wieder entfernt. Nach der Operation ist mit einem stationären Aufenthalt von 2 bis 3 Wochen zu rechnen.

Komplikationen

Nach dem Eingriff können folgende Komplikationen auftreten:

  • Infektion der Hüftprothese durch Bakterien
  • Ausrenkung der Prothese
  • frühe Lockerung
  • periartikuläre Ossifikationen (können nach mehreren Wochen und Monaten): Es handelt sich hierbei um eine Neubildung von Knochen in der unmittelbaren Umgebung des neuen Hüftgelenkes.

Nachbehandlung

Die Nachbehandlung ist für den Erfolg der Operation und die Haltbarkeit des Hüftgelenks von großer Bedeutung. Mit Hilfe des Physiotherapeuten lernt der Patient sein Gelenk wieder zu benutzen. Nach der Hüftgelenkoperation kann der Patient sein Leben wieder schmerzfrei und mit mehr Bewegung fortführen. Wichtig sind vor allem die regelmäßigen Nachuntersuchungen. Dadurch können mögliche Komplikationen frühzeitig erkannt und therapiert werden.

Prognose

Man geht heute von einer mittleren Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren aus, unabhängig von den einzelnen Prothesenmodellen. In einigen Fällen kann sie sogar deutlich darüber liegen.

Es kann aber auch vorkommen, dass schon nach wenigen Jahren eine Prothesenlockerung aufgrund von Materialabrieb entsteht. In solchen Fällen ist ein frühzeitiger Wechsel der Hüftprothese erforderlich.

Gründe einer Prothesenlockerung

Eine Prothesenlockerung kann hervorgerufen werden durch:

  • Übergewicht
  • Osteoporose
  • Unfälle
  • Überlastungen

Daher sollte man auf das Heben schwerer Lasten verzichten und Sportartem meiden, die zu Erschütterungen des Gelenkes führen. Empfohlen werden gelenkschonende Sportarten wie Rad fahren, Schwimmen, Wandern oder Walking auf weicher Unterlage. Ballsportarten wie Fußball, Handball oder Volleyball sollten gemieden werden.

Letzte Aktualisierung am 29.07.2015.
War dieser Artikel hilfreich?